HANS H. DIEBNERs SEITE ZUR PERFORMATIVEN WISSENSCHAFT
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HANS H. DIEBNER UND SVEN SAHLE

LIQUID PERCEPTRON (2000).

HANS H. DIEBNER

LIQUID PERCEPTRON 3D (2003).

Simulation eines dynamischen neuronalen Netzwerkes, das durch das Live-Video der Beobachter angeregt wird. "Liquid Perceptron" wurde im Jahre 2000 zuerst von Sven Sahle konzipiert und zusammen mit ihm als 2-dimensionales Feld von gekoppelten anregbaren Oszillatoren entwickelt. "Liquid Perceptron 3D" ist die Erweiterung der zweidimensionalen Variante auf 3 Dimensionen, die ich 2003 entwickelte.

Das simulierte und über eine Video-Projektion visualisierte neuronale Netzwerk ist durch Bewegungen der BetrachterInnen anregbar. Vergleichbar dem Auge erkennt eine Kamera die Bewegung von Objekten im Raum und leitet das Videosignal an das neuronale Netzwerk weiter, welches aus etwa einer halben Million zu einem 2D-Feld oder einem 3D-Block arrangierten und miteinander gekoppelten, anregbaren Neuronen besteht. Die Aktivität der Neuronen ist in beiden Fällen farblich kodiert. Die hellen Bereiche sind besonders stark aktiv. Man erkennt, dass eine lokale Anregung im Netzwerk zur Ausbildung eines zusammenhängenden Musters führt, wie es auch in der Gehirnaktivität beobachtet wird. Die Aktivitätsfronten breiten sich über das Netzwerk aus. Die zur "Wahrnehmung" korrespondierende Information ist, bedingt durch die Kopplung der neuronalen Elemente, im globalen Aktivitätsmuster und nicht im einzelnen Neuron repräsentiert.

Liquid Perceptron ist freilich ein vereinfachtes Modell eines neuronalen Netzwerkes. Die einzelnen Neuronen genügen jeweils einer gängigen Differentialgleichung zur Modellierung neuronaler Aktivität, allerdings die Topologie ist stark vereinfacht. Abgesehen davon, dass es im Vergleich zum menschlichen Gehirn fast verschwindend wenige Neuronen sind, die hier gekoppelt sind, entspricht auch die homogene und rein nachbarschaftliche Kopplung bei Weitem nicht der komplexen Verknüpfung realer Neuronen im Gehirn.

Eine wesentliche Idee der performativen Wissenschaft ist der Einbezug des Systems, das modelliert wird, in das Modell. Mit anderen Worten, die Wechselwirkung des Beobachters mit der Installation gibt mindestens soviel Aufschluss über die Funktionsweise des Gehirns, wie die Simulation selbst. Selbstverständlich trägt der Kontext, in den die Arbeit eingebettet ist, das Seine zur Wirkung bei. Vor allem durch den zweimaligen Einbezug der Installation in die Inszenierung der Oper "Einstein on the beach" ist die relationale Ästhetik voll zur Geltung gekommen. Liquid Perceptron war jeweils Teil eines stimmigen Gesamtkonzepts, das einen künstlerischen Diskurs zu aktuellen Wissenschaftsthemen umzusetzen vermochte. Im Hinblick auf Liquid Perceptron konnte ich vor allem die Beobachtung, dass die Rezipienten durch ihre Bewegung die Dynamik der Musterbildung mit der des musikalischen Rhythmus zu synchronisieren versuchten, mit meiner Vorstellung zur Theorie der Selbstorganisation in Einklang bringen.

WISSENSCHAFTLICHE PUBLIKATIONEN ZUM THEMA MUSTERBILDUNG UND GEHIRNDYNAMIK:

H.H. Diebner and S. Sahle: On the role of the micro-macro-transition and control processes for understanding the interface. In: H.H. Diebner, T. Druckrey and P. Weibel (Eds.): Sciences of the interface. Genista-Verlag, Tübingen (2001).

H.H. Diebner, S. Sahle and A.A. Hoff: A Realtime Adaptive System for Dynamics Recognition. Chaos, Solitons & Fractals 13/4, 781-786, (2002). (abstract or full pdf)

Hans H. Diebner, Axel A. Hoff, Adolf Mathias, Horst Prehn, Marco Rohrbach and Sven Sahle: Towards a Second Cybernetics Model for Cognitive Systems. Chaos, Solitons & Fractals 13/7, 1465-1474, (2002). (abstract or full pdf)

Hans H. Diebner, Axel A. Hoff, Adolf Mathias, Horst Prehn, Marco Rohrbach and Sven Sahle: Control and Adaptation of spatio-temporal patterns. Z. Naturforsch.56a, 663-661 (2001). (abstract)

Hans H. Diebner and Peter Weibel: Stimulus Meets Simulus - Thoughts on the Interface. Telematik 8, 45-50 (1/2002). (abstract)

Hans H. Diebner: A Simulating Cognitive System with Adaptive Capability. BioSystems 64/1-3, 141-147 (2002). (abstract or full pdf)

Hans H. Diebner and Florian Grond: Usability of Synchronization for Cognitive Modeling. Chaos, Solitons & Fractals 25, 905-910 (2005). (abstract or full pdf)
Detailaufnahme von Liquid Perceptron.






Detailaufnahme von Liquid Perceptron 3D.



Visuelle Eindrücke und weitere Informationen zu den beiden Varianten der Installation sowie die Ausstellungbeteiligungen sind zu finden unter:

"Liquid Perceptron 2D"
"Liquid Perceptron 3D"
Liquid Perceptron 2D in the OASIS Archive
Streaming Video on Liquid Perceptron 2D
res-qualia.net